
- Newsroom
- Veröffentlicht am:
Der digitale Produktpass: Enabler der Circular Economy
In Interview erklärt Alexander Appel, Experte für Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung, wie Unternehmen beim digitalen Produktpass (DPP) sinnvoll aktiv werden können. Denn der digitale Produktpass kommt – und zwar schneller, als vielen lieb ist.
Alexander Appel ist seit sechs Jahren bei MHP. Als Manager Sustainability Transformation begleitet er die ganzheitliche Transformation zur Nachhaltigkeit in Unternehmen – von der Strategie über die Umsetzung bis zur Wertschöpfung. Seine Fokusthemen sind die Entwicklung einer CO2-Strategie, digitales CO2-Management, die Etablierung der Kreislaufwirtschaft sowie die Analyse von ESG- und Nachhaltigkeitsdaten.
Die Transformation zur Nachhaltigkeit sieht er nicht nur als Notwendigkeit an, sondern als eine der größten Geschäftschancen unserer Zeit – Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zu vereinen, sollte oberstes Ziel sein. In Vorbereitung auf den digitalen Produktpass ab 2027 spricht er über Herausforderungen und Lösungen für eines der zentralen Instrumente der neuen EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR).
1. Was genau steckt hinter dem digitalen Produktpass?
Digitale Produktpässe sind Teil einer Kreislaufwirtschaftsstrategie. Sie sollen ab 2027 schrittweise – beginnend mit dem digitalen Batteriepass – EU-weit eingeführt werden und für alle in der EU tätigen Unternehmen verpflichtend sein. Zuerst betroffen sind Hersteller von Batterien, Elektronik und Textilien. Ein digitaler Produktpass sammelt und teilt Informationen über die Herstellung, Nutzung und Entsorgung eines Produkts und schafft damit die notwendige Transparenz über den gesamten Lebenszyklus. Im Kern handelt es sich also um einen digitalen Datensatz. Für Unternehmen, die Produkte in der EU verkaufen, werden Daten damit zum Pflichtprogramm – und zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
2. Wo wird es für Unternehmen besonders schwierig?
Die Schwierigkeit besteht aktuell darin, Standards zu entwickeln, um Daten im eigenen Unternehmen und jenseits der Unternehmensgrenzen zielführend verfügbar zu machen. Das betrifft vor allem die Daten aus der Lieferkette, die häufig fehlen oder nicht das richtige Format haben. Der Produktpass legt schonungslos offen, wo Prozesse bisher nicht durchgängig digitalisiert sind. Wer einem schlanken und funktionalen Vorgehensmodell folgt, kann den Aufwand beim Sammeln und Aggregieren der Daten jedoch im Rahmen halten.
3. Was verändert der digitale Produktpass konkret im Alltag von Herstellern?
Er zwingt Unternehmen zu einem standardisierten Datenmanagement. Unternehmen müssen etliche Daten aus diversen Quellsystemen zusammenführen, aggregieren und dann nutzerzentriert bereitstellen. Dazu gehören diverse Produktinformationen, Materialstammdaten, Daten zur Materialzusammensetzung, Nachhaltigkeitsdaten wie CO2-Emissionen, Verwertungsdaten wie Demontageanleitungen, Reparaturmöglichkeiten, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Sicherheitsinformationen oder Daten zur korrekten Entsorgung des Produkts. Auf diese Weise entsteht ein ganzheitlicher Blick auf ein Produkt, der für verschiedene interne und externe Nutzergruppen interessant ist.
4. Wer profitiert am meisten vom digitalen Produktpass?
Unternehmen, die früh starten. Wer seine Daten strukturiert und nutzbar macht, gewinnt nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern auch Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität. Dass die DACH-Region hier Nachholbedarf hat, unterstreicht unser Industrie 4.0 Barometer 2026: Wer fragmentierte IT- und OT-Landschaften, gewachsene Systemkomplexität und langsame Modernisierungszyklen überwindet, macht häufig den nächsten großen Produktivitätssprung.
5. Was sind jetzt die richtigen ersten Schritte?
Nicht auf perfekte Standards zu warten, sondern anzufangen, denn: Der Produktpass ist zwar kein Sprint, aber wer zu spät losläuft, verliert schnell den Anschluss – und verpasst eine ökonomische Chance: Potenziale in der eigenen Wertschöpfungskette zu erkennen, mit externen Stakeholdern in völlig neuer Art und Weise in den Dialog zu treten und neue Geschäftspotenziale im Rahmen der Circular Economy zu ermöglichen.
Erste Schritte sind, sich Klarheit über die Anforderungen zu verschaffen, Datenquellen zu identifizieren, Verantwortlichkeiten zu klären und Pilotprojekte aufzusetzen. Was sich bewährt hat, ist ein siebenstufiges Vorgehensmodell, das idealerweise im Aufbau einer zentralen Datenplattform für jegliche regulatorischen Vorgaben endet – und Nachhaltigkeit aktiv steuerbar macht. Mit einem solchen strukturierten Ansatz iterieren wir schrittweise und heben Geschäftspotenziale – und die Softwarelösungen dafür sind sogar schon verfügbar.

Alexander Appel, Manager Sustainability Transformation bei der Management- und IT-Beratung MHP. (Foto: MHP)

In Vorbereitung auf den digitalen Produktpass ab 2027 spricht Alexander Appel über Herausforderungen und Lösungen für eines der zentralen Instrumente der neuen EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR). (Foto: MHP)
MHP Newsroom
Sie benötigen Informationen zu MHP oder zu unseren Leistungen und Kompetenzen? Gerne unterstützen wir Sie mit aktuellen Informationen, Hintergrundberichten und Bildern.

