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- Veröffentlicht am: 11.05.2026
Mit AWS, DIN und MHP zur DIN SAE SPEC – der Standard für den digitalen Zwilling von Elektrofahrzeugbatterien
Ein internationaler Branchenstandard schafft Transparenz, Nachhaltigkeit und Interoperabilität in der Elektromobilität.
Elektromobilität wächst rasant – und mit ihr die Bedeutung von Fahrzeugbatterien. Sie sind Herzstück und zugleich Knackpunkt der Transformation. Doch solange jede Organisation eigene Formate, Begriffe und Klassifikationen nutzt, bleibt der Blick auf Entwicklung, Betrieb und Recycling fragmentiert. Abstimmungen kosten Zeit, Unsicherheiten bei der Datenqualität bremsen Innovationen, regulatorische Vorgaben erhöhen den Druck.
Gemeinsam mit AWS, DIN und SAE hat MHP deshalb die Initiative ergriffen: In einem internationalen Konsortium entstand die DIN SAE SPEC 91487:2025-08 „Digitaler Zwilling von Elektrofahrzeugbatterien“. Der neue Standard definiert erstmals eine gemeinsame Sprache und Kategorien für die digitale Abbildung von Batterien – und schafft damit die Grundlage für Transparenz und Interoperabilität entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
„Wer den Standard setzt, beherrscht den Markt. Mit der DIN SAE SPEC haben wir eine Grundlage geschaffen, die nicht nur technische Klarheit bringt, sondern auch die Spielregeln für eine ganze Branche definiert.“
Dr. Markus Schütten, Senior Manager | Manufacturing Transportation & Logistics | MHP
Die Challenge: Wenn Daten nicht dieselbe Sprache sprechen
In der Automobilindustrie fehlte bislang ein einheitlicher Standard für die Beschreibung von Elektrofahrzeugbatterien. Terminologie, Datenformate und Klassifikationen variierten von Unternehmen zu Unternehmen. Dadurch entstand ein heterogenes Datenbild, das den Austausch zwischen OEMs, Zulieferern und Dienstleistern erheblich erschwerte. Vergleichbarkeit war kaum gegeben, die Qualität der übermittelten Informationen blieb oft unklar und Abstimmungsprozesse banden wertvolle Ressourcen.
Parallel wuchs der regulatorische Druck. Mit dem EU-Batteriepass wird Transparenz über den gesamten Lebenszyklus einer Batterie verpflichtend. Ohne standardisierte digitale Repräsentation ließen sich diese Vorgaben jedoch nicht erfüllen.
Hinzu kam: Der digitale Zwilling von Fahrzeugbatterien existierte bis dahin lediglich in prototypischen Anwendungen, etwa in Pilotprojekten einzelner OEMs. Für den industriellen Maßstab fehlte eine verbindliche Grundlage. Genau hier setzte die Entwicklung der DIN SAE SPEC an – mit dem Ziel, ein belastbares Fundament für Transparenz, Interoperabilität und internationale Vergleichbarkeit zu schaffen.
Zielsetzung: Ein gemeinsamer Rahmen für den digitalen Zwilling
Die zentrale Aufgabe des Projekts bestand darin, eine DIN SAE SPEC zu entwickeln, die als Standard für den digitalen Zwilling von Elektrofahrzeugbatterien dient. Damit sollte eine gemeinsame Sprache geschaffen werden, die OEMs, Zulieferer, Dienstleister und Behörden gleichermaßen nutzen können.
Kernziele waren:
- Einheitliche Klassifikation und Terminologie: Definition von Merkmalen und Kategorien für eine transparente Vergleichbarkeit.
- Interoperable Datenflüsse: Sicherstellung, dass Informationen über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg nahtlos genutzt werden können.
- Regulatorische Konformität: Unterstützung der Umsetzung des EU-Batteriepasses und weiterer Regularien durch eine klare Datenbasis.
- Nachhaltigkeit & Kreislaufwirtschaft: Schaffung der Grundlage für Recycling- und Second-Life-Szenarien durch vollständige Transparenz über den Lebenszyklus einer Batterie.
So entstand ein branchenweit anschlussfähiger Standard, der Innovationen beschleunigt, regulatorische Vorgaben erfüllt und Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette vereinfacht.
Von der Idee zur SPEC: Die Lösung im Detail
Die Entwicklung der DIN SAE SPEC 91487:2025-08 war das Ergebnis einer engen Kooperation von MHP, AWS, DIN und SAE. Gemeinsam bündelten sie Branchen-, Technologie- und Normungsexpertise, um einen international anschlussfähigen Standard für den digitalen Zwilling von Elektrofahrzeugbatterien zu schaffen.
Ein Konsortium, viele Kompetenzen
- MHP übernahm die Rolle des Initiators und leitete die inhaltliche Ausarbeitung. Als Kompetenzträger für Automobilindustrie, Digitalisierung und Cloud-Technologien brachte MHP das methodische und fachliche Fundament ein.
- DIN agierte als Moderator und Koordinator des Standardisierungsprozesses.
- SAE ergänzte als amerikanischer Standardisierer die internationale Dimension, sodass die SPEC gleichzeitig für Europa und die USA gültig wurde.
- AWS brachte Cloud-Kompetenz und das Ziel ein, digitale Services auf Basis des Standards zu ermöglichen.
Gemeinsam entwickelt, agil gedacht
Das Projekt folgte einem klar strukturierten Prozess:
- Workshops und Co-Creation mit Expert:innen aus unterschiedlichen Disziplinen.
- Agile Iterationen, in denen das Glossar, ein Merkmalskatalog und ein Kategorisierungsrahmen entwickelt wurden.
- Konsensbildung im Konsortium, um die Praxistauglichkeit zu sichern.
Das Ergebnis: Ein Standard mit internationaler Wirkung
Das Resultat war die offizielle Veröffentlichung der DIN SAE SPEC 91487:2025-08 „Digitaler Zwilling von Elektrofahrzeugbatterien“. Sie wurde in englischer Sprache publiziert und von DIN und SAE International gemeinsam herausgegeben – ein Standard, der erstmals über Kontinente hinweg nutzbar ist.
Ergebnisse, die Maßstäbe setzen
Die DIN SAE SPEC 91487:2025-08 liefert messbare Effekte, die über den Standard hinaus wirken:
Einheitliche Sprache, weniger Abstimmungen
Ein klar definierter Merkmals- und Kategorienrahmen erleichtert die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Abstimmungsaufwand sinkt, Datenqualität steigt, Vergleichbarkeit wird erstmals branchenweit möglich.
Transparenz für Nachhaltigkeit und Second-Life
Durch die standardisierte Datenbasis lassen sich Batterien über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg bewerten – von der Fertigung bis zum Recycling. Besonders für Second-Life-Szenarien eröffnet der digitale Zwilling neue Möglichkeiten, Batterien stationär weiterzuverwenden und so Ressourcen effizienter zu nutzen.
Beschleunigte digitale Transformation
Interoperable Datenflüsse schaffen die Grundlage für neue Services und Anwendungen. OEMs und Zulieferer können Innovationen schneller umsetzen und regulatorische Vorgaben leichter erfüllen.
Internationale Relevanz
Als DIN SAE SPEC veröffentlicht, ist der Standard nicht nur in Europa, sondern auch auf dem US-Markt anerkannt. Damit entsteht eine Brücke zwischen den wichtigsten Automobilregionen der Welt.
Ausblick: Von der SPEC zum globalen Standard
Die Veröffentlichung der DIN SAE SPEC 91487:2025-08 markiert nicht den Endpunkt, sondern den Beginn einer Entwicklung. Schon heute laufen Diskussionen, den Standard in einen ISO-Standard zu überführen – ein Schritt, der ihn auch in Asien, insbesondere in China, verbindlich machen würde.
Damit würde aus einem transatlantischen Branchenstandard ein weltweit gültiger Referenzrahmen entstehen. Die Erfahrungen aus diesem Projekt zeigen, wie sich komplexe Ökosysteme durch Kooperation strukturieren lassen – ein Modell, das auch auf andere Produktkomponenten und Industrien übertragbar ist.
Die DIN SAE SPEC hat damit Vorbildcharakter: Sie beweist, dass digitale Zwillinge nicht nur ein technisches Konzept sind, sondern eine strategische Grundlage für Nachhaltigkeit, Effizienz und Innovationsfähigkeit.