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Mehr als Konnektivität: Was zeichnet das intelligente Unternehmen aus?

Wie integrierte digitale Ökosysteme die Zukunft der Fertigungsindustrie neu definieren

Private 5G, Künstliche Intelligenz, Edge Computing und das industrielle Internet of things (IIoT) verändern die Fertigungsindustrie grundlegend. Doch Technologie allein führt noch nicht zur Transformation. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie Unternehmen Daten, Systeme und Prozesse miteinander verknüpfen, um intelligente und anpassungsfähige Organisationen zu schaffen.

In diesem Interview erläutert Bernd Otto Hörmann, CEO von MHP India, warum industrielle Transformation ein geschäftsorientiertes Mindset erfordert, weshalb die Integration von IT und OT (Operational Technology) zunehmend an Bedeutung gewinnt und wie sich Unternehmen auf die nächste Generation der digitalen Fertigung vorbereiten können.

Hamsa Yogitashri: Bernd, vielen Dank für das Interview. Industrielle Transformation wird häufig mit Technologien wie Private 5G und KI in Verbindung gebracht. Worauf sollten Unternehmen Deiner Meinung nach zuerst ihren Fokus legen?

Bernd Otto Hörmann: Technologie ist ein wichtiger Enabler, sollte jedoch niemals der Ausgangspunkt sein. Die erfolgreichsten Unternehmen beginnen damit, die Geschäftsergebnisse zu definieren, die sie erreichen möchten – beispielsweise eine höhere Produktionseffizienz, weniger Ausfallzeiten, bessere Qualität oder resilientere Lieferketten.
Sind diese Ziele klar definiert, werden Technologien wie Private 5G, Künstliche Intelligenz, Edge Computing und Cloud-Lösungen Teil einer ganzheitlichen Transformationsstrategie, anstatt isolierte Investitionen zu bleiben. Mit der richtigen Architektur ermöglichen sie einen nahtlosen Informationsfluss über alle Betriebsbereiche hinweg und unterstützen schnellere Entscheidungen in Echtzeit.
Für uns bei MHP bedeutet Transformation nicht, die neueste Technologie einzuführen. Es geht darum, Unternehmen dabei zu unterstützen, intelligente Betriebsmodelle aufzubauen, die kontinuierlich messbaren Geschäftswert schaffen.

Hamsa Yogitashri: Viele Unternehmen haben in den vergangenen zehn Jahren in digitale Technologien investiert. Warum fällt es einigen Transformationen dennoch schwer, langfristigen Mehrwert zu schaffen?

Bernd Otto Hörmann: Eine der größten Herausforderungen ist die Fragmentierung. Unternehmen implementieren häufig hervorragende Einzellösungen, doch diese bleiben voneinander getrennt.
Fertigungsumgebungen bestehen oft aus einer Kombination von Bestandsanlagen und modernen digitalen Plattformen, während sich IT und Operational Technology traditionell unabhängig voneinander entwickelt haben. Ohne Integration bleiben wertvolle Daten in einzelnen Systemen eingeschlossen. Dadurch fehlen Transparenz und die Möglichkeit, das Potenzial von KI und fortschrittlicher Datenanalyse voll auszuschöpfen.
Eine erfolgreiche Transformation basiert auf einer integrierten Architektur, die Menschen, Prozesse, Daten und Technologien miteinander verbindet. Auf dieser Grundlage können Unternehmen Innovationen schneller und flexibler skalieren.

Hamsa Yogitashri: Die Integration von IT und OT ist zu einem zentralen Diskussionsthema in der Industrie geworden. Warum ist diese Konvergenz heute so wichtig?

Bernd Otto Hörmann: Historisch betrachtet erfüllten IT und OT unterschiedliche Aufgaben. Die IT konzentrierte sich auf Geschäftssysteme, während die OT Produktionsumgebungen steuert. Heute wachsen diese Welten zunehmend zusammen.
Moderne Fabriken erzeugen enorme Mengen an Betriebsdaten, die Planungsprozesse, Qualitätssicherung, Wartung und Entscheidungsfindung im gesamten Unternehmen verbessern können. Um dieses Potenzial zu erschließen, benötigen Unternehmen eine sichere und zuverlässige Integration zwischen ihren Unternehmenssystemen und der Produktionsebene.
Diese Konvergenz ermöglicht zudem neue Anwendungsfelder wie Predictive Maintenance, digitale Zwillinge, autonome Produktionsabläufe und KI-gestützte Optimierung. Noch wichtiger ist jedoch, dass sie eine gemeinsame Grundlage schafft, auf deren Basis Unternehmen schneller auf veränderte Markt- und Geschäftsbedingungen reagieren können.

Hamsa Yogitashri: Da industrielle Umgebungen immer stärker vernetzt werden: Wie sieht ein intelligentes Unternehmen aus?

Bernd Otto Hörmann: Ein intelligentes Unternehmen geht weit über die reine Vernetzung von Maschinen hinaus. Es schafft ein Ökosystem, in dem Daten kontinuierlich Entscheidungen unterstützen und Erkenntnisse unmittelbar in Handlungen umgesetzt werden.
Man stelle sich Produktionssysteme vor, die sich automatisch an veränderte Nachfrage anpassen, Wartungspläne, die erstellt werden, bevor Anlagen ausfallen, Lieferkettenstörungen, die frühzeitig erkannt werden, oder Qualitätsprobleme, die in Echtzeit identifiziert werden. Solche Fähigkeiten werden möglich, wenn Konnektivität, KI sowie Cloud- und Edge-Technologien gemeinsam in einem einheitlichen digitalen Ökosystem zusammenwirken.
Intelligenz bemisst sich nicht allein an der Menge der eingesetzten Technologie, sondern vor allem an der Fähigkeit eines Unternehmens, schneller, besser und im großen Maßstab Entscheidungen zu treffen.

Hamsa Yogitashri: Welchen Rat würdest Du Führungskräften geben, die ihre industrielle Transformationsreise beginnen oder beschleunigen möchten?

Bernd Otto Hörmann: Konzentrieren Sie sich zunächst auf die geschäftlichen Prioritäten und erst danach auf die Auswahl der Technologien.
Beginnen Sie mit Anwendungsfällen, die einen hohen Mehrwert und messbare Ergebnisse liefern. Etablieren Sie gemeinsame Datenstandards und schaffen Sie eine Architektur, die sich weiterentwickeln kann, anstatt lediglich isolierte Probleme zu lösen.
Transformation sollte zudem als kontinuierliche Fähigkeit verstanden werden und nicht als einmaliges Programm. Die Unternehmen, die morgen den Markt anführen werden, investieren bereits heute in skalierbare Plattformen, eine enge Zusammenarbeit zwischen IT und OT sowie eine Unternehmenskultur, die kontinuierliche Innovation fördert.
Die industrielle Transformation bedeutet heute nicht mehr nur, stärker vernetzt zu sein. Es geht darum, intelligenter, widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger zu werden.
 

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