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Management Reporting: Führungsinstrument oder Dashboard-Projekt?

Im folgenden Interview erklärt SAP-Experte Christian Hauswald, was gutes Management Reporting ausmacht.

Viele Unternehmen investieren in Datenplattformen und Analytics Tools. Trotzdem bleibt das Management Reporting oft unübersichtlich und wenig zielführend. Management-taugliches Reporting ist jedoch kein IT Thema – es ist ein Führungsinstrument. Mehr Daten bedeuten nicht automatisch mehr Klarheit. Häufig erzeugen sie nur unnötigen Informationslärm.

Gute Entscheidungen entstehen durch Struktur und Verständlichkeit. In „Fünf Fragen, Fünf Antworten“ erklärt Christian Hauswald, Associated Partner im Bereich SAP Data Analytics bei MHP, warum Management Reporting mehr braucht als Dashboards und wie Gestaltung, IBCS und Priorisierung Wirkung erzeugen.

1. Was macht gutes Management Reporting aus?

Gutes Management Reporting ist keine Datensammlung, sondern ein gezieltes Steuerungsinstrument. Es dient nicht der Vollständigkeit, sondern der Entscheidung. Kurzum: Es geht nicht darum, alle verfügbaren Zahlen zu zeigen, sondern nur jene, die für fundierte Entscheidungen relevant sind. In vielen Fällen sind Reports zwar analytisch korrekt, bleiben jedoch strategisch wirkungslos – weil sie zu viele Details enthalten und keine klare Handlungsempfehlung liefern. Ein gutes Reporting beantwortet dagegen genau zwei Fragen: Was bedeutet das? Und: Was tun wir jetzt?

2. Warum ist Gestaltung im Reporting so entscheidend?

Bei der Gestaltung im Reporting geht es nicht um Ästhetik, sondern um Zugänglichkeit. Wie Zahlen dargestellt werden, prägt unmittelbar, wie Entscheidungsträger sie wahrnehmen und interpretieren. Wer Gestaltung nur als Design abtut, überlässt Steuerung dem Zufall. Farben, Diagramme und Anordnungen lenken Aufmerksamkeit – bewusst oder unbewusst. Schlecht gestaltete Reports führen zu Diskussionen über Darstellung statt über Inhalte. Gutes Design reduziert die kognitive Last, macht Zusammenhänge schneller erfassbar und unterstützt Führungskräfte dabei, zügig bessere Entscheidungen zu treffen.

3. Was haben IBCS mit gutem Reporting zu tun?

Die IBCS sind kein Selbstzweck und keine ästhetische Spielart. Sie schaffen eine gemeinsame Sprache im Reporting: Gleiche Inhalte sehen gleich aus, Abweichungen werden sofort erkennbar. Führungskräfte müssen Visualisierungen dadurch nicht jedes Mal neu einordnen. Der größte Fehler ist nicht, keine Notation einzusetzen – der größere Fehler ist, sie nur halb umzusetzen. Genau das passiert in vielen Unternehmen und sorgt für zusätzliche Verwirrung. Eine Notation wirkt nur, wenn die Organisation sie trägt. Teams müssen sie akzeptieren, verstehen und ihren Mehrwert erkennen. Erst dann entsteht die Einheitlichkeit, die gutes Reporting braucht.

4. Warum ist im Management Reporting weniger mehr?

Reportings scheitern selten an fehlenden Daten, sondern an fehlender Priorisierung. Jedes zusätzliche KPI, jedes neue Diagramm und jeder weitere Kommentar konkurriert um Aufmerksamkeit und kann Entscheidungen ausbremsen. Gute Reportings reduzieren deshalb konsequent und zeigen nur, was für die jeweilige Führungskraft entscheidungsrelevant ist. Reduktion ist kein Verlust, sie schafft Fokus. Das ist unbequem, denn die Reduktion zwingt zu Entscheidungen – auch im Design. Genau das unterscheidet operatives Berichtswesen von strategischer Arbeit.

Entscheidend ist die Balance: Mut zur Reduktion, bewusste Priorisierung und anschließende Erhöhung der Datendichte. Nicht mehr KPIs, sondern mehr Kontext pro KPI. Eine Kennzahl braucht Vergleichswerte, Planwerte und Abweichungen, damit sie wirkt. Die Anzahl der Kennzahlen sinkt, die Aussagekraft jeder einzelnen steigt.

5. Wie kann ein Unternehmen gutes Management Reporting systematisch erreichen?

Management Reporting ist ein Steuerungsinstrument – keine System- oder Toolfrage. Ob ein Unternehmen mit SAP Analytics Cloud, Power BI oder einer anderen Plattform arbeitet, ist daher nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass das Unternehmen ein klares Reporting-Modell definiert. Das ist kein Zufall. Dahinter stehen bewusste Entscheidungen über Inhalte, Gestaltung und Standards. Wer Reports erstellt, braucht klare Leitfragen: 

  • Wer ist die Zielgruppe?
  • Welche Entscheidungen sollen unterstützt werden?
  • Welche Semantik und welche Gestaltungsprinzipien gelten im Reporting?

Existiert dieses übergeordnete Modell nicht, entstehen schnell Einzelreports ohne inneren Zusammenhang. Erst wenn Inhalte, Gestaltungsstandards und organisatorische Prozesse sauber zusammenspielen, wird Reporting wirklich wirksam. Ein klar definiertes System schafft Vergleichbarkeit, entlastet die Organisation und stärkt die nachhaltige Steuerungsfähigkeit. Oder, auf den Punkt gebracht: Ohne System entsteht Reporting, mit System entsteht Steuerung.

Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Management Reporting als Steuerungsinstrument verstehen: Entscheidungsgrundlagen schaffen, nicht Daten anhäufen.
  • IBCS Gestaltung schafft Klarheit: Aber nur bei konsequenter und stringenter Anwendung.
  • Weniger Reports, mehr Wirkung: Wer steuern will, braucht Mut zur Reduktion und klare Prioritäten.
     

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