Wie geht eigentlich nachhaltige Entwicklung? Unternehmen zielsicher und wirksam ausrichten

„How dare you!“ – „Wie könnt ihr es wagen! Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir sind am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, worüber ihr reden könnt, sind Geld und Märchen vom ewigen wirtschaftlichen Wachstum.“ Mit dieser wütenden Anklage konfrontierte die damals 16-jährige Greta Thunberg auf dem UN-Klima-Gipfel 2019 in New York die versammelten Politiker mit dem, was immer mehr Menschen überall auf der Welt zu tiefst bewegt. Dabei ist die Forderung nach mehr Klima- und Umweltschutz sowie einer gerechten Ressourcenverteilung nicht neu. Al Gore wies 2006 in seiner alarmierenden Dokumentation auf die „unbequeme Wahrheit“ über unser Klima hin. Und schon 1972 legte der Club of Rome einen Bericht über „Die Grenzen des Wachstums“ vor.

Während heute Initiativen wie Fridays for Future oder Scientists for Future das Umweltbewusstsein in unserer Gesellschaft schärfen, heizt sich die Debatte um die richtigen Konsequenzen ebenso auf wie die Erde selbst. Der so dringend notwendige Wandel von Werten und Konsumgewohnheiten scheint nur schleppend voranzukommen.

Was wir außerdem feststellen: Unternehmen aus allen Branchen durchleben bedauerlich harte Zeiten. Kaum wurde die Digitalisierung unter enormen Bemühungen und Investitionen angestoßen, durchkreuzt zu allem Überfluss eine grassierende Viruspandemie alle Planungen. Der Green Deal der EU erhöht mit strengeren Leitplanken und ambitionierten Zielen den Druck zusätzlich. Es lässt sich beobachten, wie sich die Spielregeln im internationalen Wettbewerb und auf den Kapitalmärkten zunehmend zugunsten nachhaltig wirtschaftender Unternehmen verschieben. Die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit nicht mehr nur ein „Nice to have“-Thema ist, sondern sich immer mehr zum „Must have“-Thema entwickelt, hat sich mittlerweile auch in den meisten Vorstandsetagen durchgesetzt.

Bei der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung wirken einige Unternehmen wie gelähmt – viele reagieren nur zögerlich. Woran könnte das liegen?

Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen zu abstrakt – der Business Case dahinter nicht verständlich. Viele Verantwortliche sind zunächst nur darauf bedacht, regulatorische Mindeststandards zu erfüllen. Wirklich nachhaltigkeitsorientierte Aktivitäten werden immer noch mit Mehrkosten und langen Amortisationszeiten in Verbindung gebracht. Außerdem beobachten wir, dass die risikoscheue Haltung von Unternehmen oftmals auf unsichere Entscheidungen und zu komplexe Informationslagen zurückzuführen ist.

Nach unserer Erfahrung reduzieren Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit häufig auf den Klimaschutz. Der zählt zwar sicher zu den wichtigsten Aufgaben. Tatsächlich gibt es aber noch eine Reihe weiterer Herausforderungen. Systematisiert sind die Nachhaltigkeitshandlungsfelder in den 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Gefeiert als „tremendous achievement“ der Staatengemeinschaft zeichnen sie den Weg unseres Planeten zu mehr Frieden, Wohlstand, Bildung und Gerechtigkeit auf. Und sie können Unternehmen dabei helfen, ihr eigenes Handeln ganzheitlich zu überprüfen. Unternehmerisches, nachhaltiges Handeln lässt sich nicht auf Spenden für einen guten Zweck und den Kauf von Wäldern in Indonesien reduzieren. Es erfordert vielmehr, die Geschäftsmodelle auf eine nachhaltige Entwicklung hin auszurichten und zu optimieren.

Dass Unternehmen aufgrund ihrer Wertschöpfung und Ressourcenabhängigkeit eine zentrale Rolle auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit einnehmen müssen ist nicht von der Hand zu weisen. Ein „Weiter so“ ist ausgeschlossen: Analysen des Stockholm Resilience Center zeigen, dass wir bereits heute vier der neun planetarischen Grenzen riskant nahe sind oder sie sogar überschritten haben. Geht es bis 2030 so weiter wie bislang, dann sind verheerende und irreversible Auswirkungen für unsere Erde nicht mehr nur wahrscheinlich – sie sind gewiss. Wenn politische Regulierungsprozesse wie beispielsweise ein neues Lieferkettengesetz viel Zeit für die Umsetzung benötigen, werden die Initiative und Innovationskraft von Unternehmen für nachhaltige Geschäftsmodelle benötigt. Die Logik dahinter ist denkbar simpel: Es gilt negative Auswirkungen der betrieblichen Wertschöpfung zu reduzieren und positive Beiträge für eine grenzübergreifende, nachhaltige Entwicklung zu leisten.

In dieser Gemengelage ist es für Unternehmen eine große Herausforderung, sich zurecht zu finden, Ziele zu stecken und eine Transformation einzuleiten. Viele sehen sich mit einigen Fragen konfrontiert: Wie kann ich nachhaltiger wirtschaften? Womit beginne ich am besten? Und mit welchen Aktivitäten erreiche ich den größten Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft?

Vom „How dare you!“ zum „How can we?”

Um darauf die richtigen Antworten zu finden, ist ein systematischer und angeleiteter Prozess hilfreich. Wir haben ein Vorgehen konzipiert, mit dem wir Unternehmen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit begleiten:

  1. Orientierung
    Bei den 169 Unterzielen und über 240 Indikatoren der UN-Nachhaltigkeitsziele kann man schon mal den Überblick verlieren, besonders da die Ziele vordergründig für Staaten formuliert wurden. Für Unternehmen ist es daher umso wichtiger, die Ziele, deren Notwendigkeit sowie den positiven Business Case zu verstehen.
  2. Einblicke
    Mit der Abbildung und Visualisierung der betrieblichen Wertschöpfungsketten lassen sich sowohl Risiken als auch positive Effekte auf Umwelt und Gesellschaft identifizieren. Auf diese Weise erkennt die Organisation, welche Nachhaltigkeitsaspekte für sie relevant und direkt beeinflussbar sind.
  3. Ziele im Fokus
    Nicht alle negativen Auswirkungen lassen sich sofort angehen. Nachhaltigkeitsziele müssen bewusst priorisiert und in die Geschäftsziele integriert werden. Nur so können Quick Wins erzielt und ein größtmöglicher Beitrag für Umwelt und Gesellschaft kann erreicht werden.
  4. Fortschritt prüfen
    Managementsysteme und Standards sind wichtig. Denn wirksame Strukturen, Prozesse und Rollen dienen einer Organisation als zentrale Steuerelemente, um die Nachhaltigkeitsleistung zu steigern. Wichtig dabei: Die Systeme müssen gepflegt und weiterentwickelt werden. Der damit verbundene Aufwand steigert den Reifegrad und damit auch den Mehrwert.
  5. Kontinuierlich weiterentwickeln
    Die Transformation zur nachhaltigen Entwicklung ist eine lange Reise. Geschäftsmodelle müssen regelmäßig kritisch hinterfragt und auf ihre Existenzberechtigung in der Gesellschaft geprüft werden. Mit dem Unternehmenswachstum steigen auch die Nachhaltigkeitsanforderungen außerhalb der eigenen Systemgrenzen in den Lieferketten.


Bei MHP folgen wir bereits selbst diesen Schritten zu mehr Nachhaltigkeit. Mit diesen Erfahrungen und unserer Expertise als Management- und IT-Beratung wollen wir andere Unternehmen unterstützen, ebenfalls an einem „better tomorrow“ zu arbeiten.

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Veröffentlicht am: 8.12.2020
Autoren: Fabian Kentsch, Daniel Wessig

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