Fünf Impulse für die erfolgreiche Transformation zu Circular Economy

Note: This blogpost is also available in English

Circular Economy (Kreislaufwirtschaft) ist als Kernstrategie für nachhaltiges und profitables Wirtschaften bereits seit den 1990er-Jahren anerkannt. Mehr und mehr werden Technologien (beispielsweise hinsichtlich Materialien ebenso wie digitale Ansätze) zum Enabler der Transformation hin zu einem kreislauforientierten und ressourcenschonenden Wirtschaften. Aus der Theorie wird nun also „endlich“ Praxis.

Diese umfangreiche Transformation zu einer nachhaltigen und zirkulären Wirtschaft wird dann gelingen, wenn zunächst ein notwendiges Umdenken in den Unternehmen stattfindet und die massiven Chancen erkannt, verstanden und akzeptiert werden. Diesem Wandel im Mindset müssen konkrete und ganzheitliche Veränderungen sowohl in den Geschäftsmodellen als auch entlang der Wertschöpfung und bei der Arbeitsweise folgen, die auch die Voraussetzungen für eine ganzheitliche und konsequente Nutzung von Daten schaffen.

In unserem Artikel geben wir fünf Impulse, die die Grundvoraussetzungen für das Gelingen der Transformation zusammenfassen.

 

1. Circular Business Model: So positionieren Sie sich erfolgreich in künftigen Märkten

Nachhaltige und zirkuläre Geschäftsmodelle gewinnen an Bedeutung und treiben Unternehmen dazu an, ihren Einfluss auf die drei Säulen der Nachhaltigkeit – Profit, People und Planet (ökonomisch, sozial und ökologisch) – verbessern zu wollen. Um die erfolgreiche Transformation zu schaffen, müssen Unternehmen ihre traditionell lineare Geschäftsmodelle zu zirkulären Geschäftsmodellen umgestalten. Bei richtiger Umsetzung führt ein Circular Business Model (zirkuläres Geschäftsmodell) nicht nur zu Kosteneinsparungen, sondern auch zu einer Maximierung der Nutzung von Produkten und Materialien sowie zu neuen Umsatzmöglichkeiten.

Die Verfügbarkeit von Ressourcen ist für unseren dauerhaften Wohlstand essentiell. Allerdings steigert die weltweit wachsende Nachfrage nach Rohstoffen deren Knappheit und treibt Preise in die Höhe. Ein zirkuläres Geschäftsmodell führt dazu, dass sich die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen massiv reduziert. Die Geschäftsmodelle sollten so entwickelt werden, dass nachhaltige und geschlossene Ressourcenkreisläufe ermöglicht werden.

Das Konsumverhalten ändert sich durch ein zunehmendes Bewusstsein für Klimawandel und Nachhaltigkeit. Insofern verschafft ein Circular Business Model einem Unternehmen Wettbewerbsvorteile, weil es dadurch sein Engagement für mehr Nachhaltigkeit, Produktverantwortung und Transparenz signalisiert.

Weitere positiven Auswirkungen ergeben sich durch die Zusammenarbeit mit Lieferanten und weiteren Kollaborationspartnern über die eigenen Grenzen hinweg. Dafür müssen Unternehmen ihre Lieferketten unter die Lupe nehmen, bewerten, Initiativen priorisieren und dann eine umfassende Circular-Economy-Strategie formulieren. Änderungen an jedem Glied der Lieferkette können sich auf alle vor- und nachgelagerten Bereiche auswirken und für alle Beteiligten Vorteile schaffen.

2. Digital Circular Economy: Nutzen Sie digitale Technologien als Enabler

Digitale Technologien werden mehr und mehr zum unabdingbaren Enabler für nachhaltiges Wirtschaften und eine Circular Economy. Geschlossene Datenkreisläufe – „closed digital loops“ – ermöglichen es, konsequente und kontinuierliche aus der Nutzung der Produkte zu lernen. Daten werden dabei als Informationen im Zuge einer „Learn and Adapt“-Arbeitsweise für Verbesserungen und Updates von Produkten in allen Phasen des Lebenszyklus verwendet. Hierdurch kann beispielsweise die Nutzungsdauer von Produkten im Feld über Updates oder Instandsetzungen (Repair) verlängert, der richtige Zeitpunkt für „Second Life“-Ansätze (Reuse) identifiziert und Input für Innovation, Design und Produktion zurückgespielt werden. Die Nutzung der Daten in der Innovations- und Designphase erhöht die Wiederverwendbarkeit von Komponenten und Rohstoffen (Remanufacturing und Recycling). Die gewonnenen Erkenntnisse können fortlaufend in die Verbesserung der Produkte (und Services) einfließen und Ideen für neue Produkte (bspw. neue Varianten oder komplett neue Portfoliosegmente) liefern. In „einem closed digital loop“, umgesetzt unter anderem durch Cloud-Technologien, stehen Daten immer im Zentrum, , und sind die Basis für eine ganzheitlich funktionierende „Digital Circular Economy“.

Hier geht es zum White Paper "Circular Economy"

3. Digital Circular Design: Smartes Produktdesign ist kreislauffähig

Mehr als 80 Prozent des Umwelteinflusses von Produkten werden in der Designphase definiert. Das Produktdesign ist deshalb eine zentrale Phase in einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft: Für eine zirkuläre Produktgestaltung müssen Produkte und deren Komponenten bzw. Materialien wiederverwendbar und wiederverwertbar sein.

Das setzt voraus, dass sich Designprämissen weiterentwickeln. Gängige Prinzipien wie „Design to Cost“ werden durch Circular Economy um das Prinzip „Design for R“ ergänzt. „R“ bezeichnet die verschiedenen Ansätze, ein Produkt wieder der Wertschöpfung zuzuführen (Reuse, Repair, Remanufacture, Recycle). Der Anspruch von „Design for R“ ist es also, Produkte so zu designen, dass in der Produktgestaltung, bei den verwendeten Materialien und bei den Technologien (z.B. Herstellung, Update, Demontage etc.) eine maximale Wiederverwertung des Produkts ermöglicht wird.

Die Vorteile dieses smarten Produktdesigns reichen von der Reduzierung der Abhängigkeit von endlichen Primärrohstoffen über eine verbesserte Materialeffizienz (bspw. durch vereinfachte Zerlegung durch Differentialbauweise) bis hin zum Aufbau einer Resilienz gegenüber Preisschwankungen in der Lieferkette.

Alle „Design for R“-Ansätze vereint die Notwendigkeit eines „Rethink“ der bisherigen Produktentwicklung und eine Vision dazu, wie ein Produkt einen Beitrag in einer zirkulären Wirtschaft leisten kann.

4. Man kann nur managen, was man messen kann

Ein wesentlicher Beschleuniger für die Transformation hin zu einer zirkulären Arbeitsweise für Unternehmen ist, Anreizsysteme für Kund*innen, Zulieferer und insbesondere Mitarbeiter*innen zu schaffen. Dafür ist zunächst ein ganzheitliches Zielesystem für die Transformation notwendig, in das die Dimensionen Produkt, Prozess und Daten integriert werden. Das Thema Nachhaltigkeit wird so zum inhärenten Bestandteil des unternehmerischen Handelns.

Mit der dadurch entstehenden Transparenz lassen sich die am besten geeigneten Metriken einführen, um die Transformation zur Nachhaltigkeit zu messen. Dabei ist die Verfügbarkeit, Richtigkeit und Aktualität der verwendeten Daten ein Schlüsselfaktor. Notwendig sind dafür häufig die Etablierung oder die Adaption neuer Datenquellen bzw. die Rückgewinnung von Daten aus dem Feld. Die so gewonnenen Daten lassen sich vielfältig zur Optimierung aller wertschöpfenden Aktivitäten einsetzen. Insbesondere ein geschlossener Wirtschaftskreislauf erfordert zwingend einen geschlossenen Datenkreislauf. Dieser erlaubt die faktenbasierte Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen (digital closed loops, siehe oben). Als Nebeneffekt erhöht die entstandene Transparenz im Unternehmen und die kundenzentrische Produktoptimierung sowohl die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen als auch die Loyalität der Kund*innen.

5. Ermöglichen Sie neue Arbeitsweisen

Zahlreiche Studien zeigen, dass sich Mitarbeiter*innen stärker mit ihrem Unternehmen identifizieren, wenn es verantwortungsvoll, umweltbewusst und transparent handelt. Die Priorisierung von Umweltproblemen schafft also eine intrinsische Motivation für Mitarbeiter*innen. Dabei erhöhen spürbare Maßnahmen zur Verbesserung der CSR (Corporate Social Responsibility) den Ruf eines Unternehmens als umweltbewusste und nachhaltige Organisation, die Mitarbeiterzufriedenheit und die Attraktivität als Arbeitgeber. Umweltaspekte werden daher gerade im Innovationsprozess immer mehr berücksichtigt. Ein förderliches „Klima“ ist für jede Innovation wichtig. Dazu gehört die Unterstützung durch das Management und eine klare Vision, um die Beteiligung und das Einbringen neuer Ideen bei den Mitarbeiter*innen zu fördern. Fordern und fördern Unternehmen die Kreativität ihrer Mitarbeiter*innen, werden bestehende lineare Strukturen, Prozesse und Abläufe hinterfragt und in zirkuläre Arbeitsweisen transformiert.

Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Abteilungen und Funktionen führt zum Austausch von Informationen, den Transfer von Praktiken und die Etablierung einer neuen Kultur. Durch die zusätzliche Einbeziehung von Circular-Economy-Experten kann auf einfache Weise bestehendes Know-how genutzt, können Prozess- und Produktinnovationen in der frühen Phase und Geschäftsmodelle gezielter mitgestaltet werden. Die gesteigerte Innovationsfähigkeit eines Unternehmens und die Transformation zu Circular Economy begünstigen sich gegenseitig. Beispielsweise durch die Art und Weise, wie wichtige Ressourcen – beispielsweise Energie und Materialien – in Produkten und Prozessen maximal effizient verwendet werden.
 

Verschiedene Wege führen zur Gestaltung eines zirkulären Ökosystems. Der Nutzen für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft ist immens. Lassen Sie sich durch die fünf Impulse inspirieren, einen zirkulären Innovationsprozess und Geschäftsmodell zu initiieren.

Eine einfache Frage kann der Ausgangspunkt für Ihr Unternehmen sein: „Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie für die Rücknahme aller Ihren verkauften Produkten nach dem ersten Gebrauch verantwortlich wären?“

 

Infos zum Blogpost

Veröffentlicht am: 19.07.2021
Autor*innen: Nikolas Bradford, Nourhan El Mogy, Paul Matausch

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Nikolas Bradford
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Nourhan El Mogy
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Paul Matausch
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