Artificial Intelligence als Teil der Digital Responsibility – Das Enablement kleiner und mittelständischer Unternehmen

Artificial Intelligence polarisiert. Auf der einen Seite finden sich die Fangirls und Fanboys, die die atemberaubenden Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz frenetisch feiern. Auf der anderen Seite sorgen sich Kritiker*innen vor den verheerenden Folgen von AI. Das ist zwar vielleicht ein wenig zugespitzt – trifft aber tendenziell tatsächlich zu. Als Beratungsunternehmen, das sich intensiv mit Technologien und deren Effekte auf Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigt, sehen wir AI deutlich differenzierter. Und wir sind der Überzeugung, dass eine sachliche Auseinandersetzung unerlässlich ist, um die Chancen von Künstlicher Intelligenz zu nutzen und dabei gleichzeitig die Risiken im Blick zu behalten. Das ist unser Verständnis von Corporate Digital Responsibility.

AI im Einsatz für die Gesellschaft

Zu den Chancen zählt für Unternehmen, dass sie mit KI die Effizienz ihrer Prozesse weiter forcieren und ganz neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle realisieren können. Das senkt die Kosten, steigert den Umsatz und wirkt sich so gleich doppelt auf den Gewinn aus. Wenn Unternehmen es anstreben – weil sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind –, können AI-basierte Innovationen außerdem immense Vorteile für die Gesellschaft und jeden einzelnen Menschen mit sich bringen. Das Spektrum dafür ist breit: Effizientere Produktions- und Logistikprozesse reduzieren zum Beispiel den Energieverbrauch, schonen damit Ressourcen und verringern Emissionen. Das ist gleichzeitig „lean“ und „green“. Artificial Intelligence kann dafür genutzt werden, die Mobilität in einer Stadt besser zu steuern – was ebenfalls zum Klimaschutz beiträgt und zusätzlich die Infrastruktur entlastet. Oder die Technologie hilft dabei, die Lebensmittelverschwendung zu verringern. Mit unserer Anwendung MEALLY zeigen wir, wie das ganz praktisch geht. Um es auf den Punkt zu bringen: Richtig eingesetzt, führt Künstliche Intelligenz zu einem better Tomorrow!

Entscheidend ist dabei die Einschränkung „Richtig eingesetzt“. Denn natürlich lässt sich AI wie fast jede Technologie bewusst für Zwecke nutzen, die weniger wertvoll sind. Der Einsatz der Technologie in Waffensystemen ist zum Beispiel längst Realität. Hinzu kommen negative Auswirkungen, die unbewusst herbeigeführt werden und nicht intendiert sind. Ein wichtiger Aspekt ist dabei etwa, dass es beim Machine Learning leicht zu einem Bias kommen kann. Die Künstliche Intelligenz liefert dann systematisch unerwünschte Ergebnisse. Ein häufig genanntes Beispiel dafür: Wenn eine HR-KI anhand historischer Daten lernt, wird sie immer zu dem Schluss kommen, dass mittelalte weiße Männer die besten Kandidaten für Posten im Vorstand sind – weil in der Vergangenheit immer so entschieden wurde.

Werden Entscheidungen an eine KI delegiert, ergeben sich daraus neue rechtliche Herausforderungen, die vor allem mit Verantwortung und Haftung zusammenhängen – heutige Maßstäbe eignen sich hier für die Beurteilung kaum. Diskutiert wird das aktuell intensiv vor dem Hintergrund des autonomen Fahrens. Und noch etwas ist vor allem aus Sicht der Kritiker problematisch. Sie sorgen sich vor einem zu hohen Grad an Autonomie der Maschinen, der letztlich zu deren Unkontrollierbarkeit führen könnte.

Zwei Seiten von CDR

Vor dem Hintergrund von alle dem bedeutet Corporate Digital Responsibility im AI-Kontext aus unserer Sicht deshalb zweierlei: Es kommt erstens darauf an, den Beitrag der Technologie zu einer besseren Welt konsequent auszuloten und zu nutzen. Zweitens müssen sich Unternehmen den ethischen Fragen aktiv zuwenden, diese im Rahmen einer gesellschaftlichen Debatte klar beantworten und die Erkenntnisse und Vorhaben deutlich kommunizieren. Nur auf diese Weise entsteht die Akzeptanz, die für den Erfolg von Artificial Intelligence notwendig ist.

Dieser Erfolg ist auch politisch erwünscht. Die Bundesregierung hat im November 2018 eine Strategie zur Künstlichen Intelligenz verabschiedet, nachdem sich Deutschland zu einem führenden Standort für den technologischen Megatrend entwickeln soll. Aktuell setzten laut Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) allerdings lediglich 5,8 Prozent der deutschen Unternehmen KI erfolgreich ein. Ein Schub sollte von den mittelständischen Unternehmen ausgehen, die nach wie vor den Großteil der Wirtschaftsleistung in Deutschland erbringen.

Gerade der Mittelstand steht in Bezug auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz vor allem vor drei Herausforderungen, die sich gegenseitig beeinflussen:

  1. Die Entscheider in mittelständischen Unternehmen haben oft kaum Erfahrung mit dem Einsatz von KI, dafür aber immer noch gewisse Vorbehalte bzw. Unsicherheiten. Aus unserer Sicht ist daher entscheidend, Künstliche Intelligenz zu entmystifizieren.
  2. Obwohl noch viele Unternehmen zurückhaltend sind, ist die Nachfrage nach KI-kompetenten Mitarbeiter*innen groß. 2019 22.500 Stellen mit KI-Bezug offen – 43 Prozent davon konnten nicht besetzt werden. Im Wettbewerb um die Talente hat der Mittelstand oft das Nachsehen. Die Hochschulen bilden zwar immer mehr junge Menschen entsprechend aus. Hier gibt es aber einen zeitlichen Versatz.
  3. Ob ein KI-Projekt wirklich zum gewünschten Erfolg führt, ist vorher nie ganz sicher. Verantwortliche müssen also damit rechnen, dass eine Investition nicht unmittelbar ökonomisch auszahlt. Mittelständische Unternehmen mit einem knappen R&D-Budget setzen deshalb lieber auf Entwicklungen, die sie besser kalkulieren können.


Gemeinsamer Fortschritt in Initiativen

Um an dieser Situation etwas zu verändern und insbesondere mittelständische Unternehmen beim Einsatz von AI zu unterstützen, engagiert sich MHP in unterschiedlichen Initiativen.

Dazu zählt zum Beispiel die Mitwirkung an den regionalen „KI-Labs“, die Teil des „Aktionsprogramms KI für den Mittelstand“ sind. Ziel der Labs ist es, KMUs den Zugang zur KI zu erleichtern und sie während ihrer ersten Schritte hin zu einer produktiven Anwendung zu begleiten. In Kooperation mit der Hochschule Esslingen und gemeinsamen mit den Unternehmen erarbeiten wir in Workshops erste konkrete Ideen für den Einsatz der Technologie. Außerdem zeigen wir den KMUs, wie sie sich ganzheitlich zu einen Data-driven Unternehmen entwickeln und welche Rolle dabei eine KI-Strategie spielen kann.

Darüber hinaus engagiert sich MHP derzeit sehr aktiv an der Umsetzung der oben erwähnten KI-Strategie der Bundesregierung. Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Normung (DIN) möchten wir im Rahmen kundenorientierter Förderprojekte ein Rahmenwerk zur Umsetzung von KI-Projekten schaffen, das europäische Wertvorstellungen und Ethik-Richtlinien über den gesamten Lebenszyklus einer KI-Lösung in den Mittelpunkt rückt. So entstehen für unsere Kunden digitale Produkte, die eine Differenzierung auf dem Weltmarkt erzielen und nachhaltig das Gütesiegel „KI made in Germany“ prägen. Gleichzeitig entstehen über dieses Rahmenwerk echte DIN-Normen, die es ermöglichen, Aspekte wie Transparenz, Sicherheit oder auch Fairness einer KI messbar zu machen.

Infos zum Blogpost

Veröffentlicht am: 04.02.2021
Autorin: Vanessa Viellieber

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Vanessa Viellieber
Head of Business Area Data Science & Advanced Analytics

Ein “Better Tomorrow” geht nicht ohne…:

  • KI-Lösungen erfordern eine klare Frage-/Aufgabenstellung, Kreativität, die Offenheit, Neues auszuprobieren, und vor allen Dingen die Expertise im Umgang mit dem notwendigen Handwerkszeug. All diese Dinge lassen sich erlernen. Somit kann jedes Unternehmen dazu befähigt werden seine Potenziale, welche KI ihm bietet, zu nutzen.

Mein Herz schlägt schneller für…:

  • Bei innovativen Lösungen, beim Segeln, bei Haute Cuisine und Haut Couture.

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