ARAL-Studie Tankstelle der Zukunft / Innovation Blog

Ende 2018 hat ARAL die Studie zur "Tankstelle der Zukunft in der Großstadt" mit Blick auf 2040 veröffentlicht. Sie wurde vom Institut für Verkehrsforschung des DLR durchgeführt und prognostiziert Mobilitätstrends im urbanen Umfeld. Es sind etliche interessante Entwicklungsvorhersagen und Ideen dabei.

Die Studie prognostiziert auch in 20 Jahren noch einen breiten Antriebs- und Kraftstoffmix.

Die Kilometerleistung auf den Straßen in Deutschland soll gegenüber 2010 um weitere 24% steigen und das obwohl die Bevölkerungszahl um 4,7 Mio. zurückgehen wird. Begründet wird dies durch ein steigendes Logistikaufkommen - vor allem durch E-Commerce - und eine mobilere und älter werdende Bevölkerung. Den "Anstrengungen" mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bekommen, räumt die Studie nach meiner Interpretation keinen Stellenwert ein. Der private Pkw-Verkehr soll um 5% sinken, da neue Mobilitätsanbieter mit Sharing und autonomen Fahrzeugen den Bedarf zunehmend abdeckt. Gemäß DLR werden autonome Fahrzeuge 2040 25% der Gesamtflotte (von Mobilitätsanbietern) ausmachen.

Abb: Bevölkerungsentwicklung Deutschland, Quelle: Statista

Die DLR geht davon aus, dass Hybrid-Fahrzeuge (Benziner und Diesel) dominieren. Ohne Veränderung der politischen Rahmenbedingungen gehen die Autoren der Studie von 1,3 Mio. E-Autos aus (4% bei Privat- und 13% bei Nutzfahrzeugen). Nur 1% der Neuwagen werden dann noch konventionell betrieben. Tankroboter könnten in der Tankstelle der Zukunft das Betanken der E-Fahrzeuge mit Ultra-Fast-Chargern mit 350 kW übernehmen. Das ergibt eine Reichweite von 145 km innerhalb von 5 Minuten Tankzeit (s. hierzu auch meinen Beitrag "AUTONOM UND ELEKTRO SIND KEINE ALLHEILMITTEL GEGEN DEN VERKEHRSINFARKT" vom 23.4.19: 350 W / 5/60 / 0,183 kWh/km = 157 km - 10% Ladeverluste = 141 km).

Abb: Entwicklung Antriebsarten, Quelle: ARAL-Studie

Interessanterweise findet sich hier kein Brennstoffzellenantrieb wider, dem insbesondere bei Nutzfahrzeugen in anderen Untersuchungen perspektivisch relevante Marktanteile eingeräumt werden. Der einzige Treffer zu Wasserstoff in der ARAL-Studie führt aus: "Im Durchschnitt werden drei bis vier Ultra-FastCharging-Ladesäulen (UFC) 2040 zum festen Bestandteil städtischer Stationen – neben Zapfsäulen für Benzin, Diesel, die weiterentwickelte Biokraftstoffe oder synthetische Kraftstoffe enthalten, Erdgas sowie Autogas oder Wasserstoff."

Neben der Betankung (Zapfsäule, Ladestation, Batterieautomat) kommen weitere tragende Säulen zur Tankstelle der Zukunft hinzu:

  • Die Tankstelle als Umsteigeplatz
  • Die Tankstelle als Service-Station für autonome Flotten
  • Die Tankstelle als Mikrodepot für Warenlieferung
  • Die Tankstelle als Landeplatz für Lufttaxis

Im Fazit und Ausblick wird auf die Veröffentlichung weiterer Ergebnisse im Mai 2019 verwiesen. Wir dürfen gespannt bleiben.

 

Parallel möchte ich gerne auf die Shell-Jugendstudie hinweisen. Die aktuelle 17. Auflage stammt aus 2015 und soll wieder Herbst 2019 erscheinen. "Die 17. Shell Jugendstudie untersucht, unter welchen politischen und sozialen Bedingungen Jugendliche heute aufwachsen und wie sie sich dabei eine Persönlichkeit erarbeiten. Die Studie bildet die Vielfalt der jugendlichen Lebenswelten ab und arbeitet gleichzeitig heraus, wie sich junge Menschen heute von vorherigen Generationen unterscheiden." Hieraus lassen sich sehr schön Rückschlüsse auf das Verhalten der Menschen in 20 und mehr Jahren ziehen - wenngleich eine 1:1 Interpolation auf Grund von Veränderungen, Kohorteneffekten etc. sicher nicht zulässig ist.

Pressemitteilung von ARAL und Link auf die Studie

Shell-Jugendstudie (2015, Neuauflage Herbst 2019)

Quelle des Titelbildes: ARAL, Studie Tankstelle der Zukunft, 2018

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