Die Learnings für die Gesundheitsbranche aus dem Automobilhandel / Innovation Blog

Die drei Learnings für die Gesundheitsbranche aus dem Automobilhandel

Es herrscht ein allseits beliebter Klagekanon über horrende Kosten im Gesundheitsmarkt, verursacht durch Kostentreiber wie unter anderem der fehlenden Persistenz und Adhärenz. Entscheider stimmen mit ein, handeln aber nicht lösungsorientiert. Die alleinige Verantwortung ist hier nicht nur beim Patienten per se zu suchen, denn es ist an den Herstellern und den Ärzten, die Patienten in der Therapietreue gezielt zu unterstützen. Was es dafür bedarf ist Dienstleistungs- und Kundenorientierung.

Was aber hält eine ganze Branche davon ab?

Fehlendes Bewusstsein der Verantwortlichen und Berührungsängste. Unnötig aber wahr. So lassen sich die vorhandenen Berührungsängste bezüglich des Einsatzes technischer Möglichkeiten der Kundenorientierung im Gesundheitsmarkt beschreiben. Vielen Verantwortlichen in der Branche ist es immer noch nicht bewusst, dass neue Ansätze für eine stets aktivere Zielgruppe benötigt werden. Daher kurz und knapp: Die Zeit der Geduldigen ist vorbei, Patienten haben es auch im Gesundheitsbereich verdient, als Kunden sprich als Kundige betrachtet und betreut zu werden. Dies ist nicht allein der Tatsache geschuldet, dass das Internet in allen Lebensbereichen einen Siegeszug ohnegleichen angetreten hat. Eine Tatsache, die wahrscheinlich niemand in seinem privaten Umfeld infrage stellt.

Gilt das wirklich auch für die Gesundheitsbranche?

Kann in einem schwieriger werdenden Markt tatsächlich von einer Kundenorientierung gesprochen werden, wenn der Endverbraucher Patient als  „Geduldiger“ oder „Ertragender“ gesehen wird. Was genau aus dieser Denkweise und der fehlenden Kundenorientierung resultiert, sind horrende jährliche Kosten für das Gesundheitssystem durch fehlende Adhärenz.
Und genau hier lässt sich mit dem Blick auf Best Practices aus anderen Dienstleistungsbranchen einhaken. Vorausgesetzt eine andere Branche musste bereits eine ähnliche Entwicklung durchmachen und stand einer noch schwierigeren Situation gegenüber. Der deutsche Automobilhandel ist ein Paradebeispiel, denn die Entwicklung verlief vom Hersteller zum Kundenmarkt und heute ist der Handel der Getriebene. Dies hat zu einem Umdenken und zu einer vollständigen Neuorientierung im Servicebereich durch verstärkte, stark kundenorientierte Digitalisierung der Leistungen geführt. Der reine Abverkauf der Fahrzeuge ist in der Branche schon lange kein Erfolgsgarant mehr. Der Kunde erwartet von einer Marke mehr, Stichwort ist auch hier Kundenorientierung und zwar eine ganzheitliche. Um diesen Trend für sich nutzen zu können, haben die Hersteller auf eine digitale Revolution gesetzt.

Wieso überhaupt der Bezug zwischen Automobilindustrie und Gesundheitsbranche?

Die beim Wandel der Automobilbranche eingesetzten Innovationen zeigen, dass ein branchenübergreifender Transfer der Erkenntnisse zum gegenseitigen Nutzen machbar ist. Die entsprechende Technik steht jedenfalls zur Verfügung. Der digitalisierte Automobilhandel hält mehrfach Learnings für die Gesundheitswirtschaft. Konkret bedeutet das, dass die aktuellen Herausforderungen der Gesundheitsbranche mit den Erkenntnissen der Automobilindustrie kombinierbar sind und das zu einem gegenseitigen Nutzen. 


Zwar ist der Automobilhandel heute der Getriebene, aber so war die Automobilindustrie in Summe doch über hundert Jahre hinweg in weiten Teilen ein Leitbild für viele andere. Neue technologische und prozessuale Ansätze haben hier ihren Ursprung: Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP), Lean Management, carbon-basierte Konstruktionen – alles Begriffe, die mit der Automobilindustrie in direktem Zusammenhang stehen. Noch immer ist sie ein (innovatives) Schwergewicht, insbesondere in Deutschland. Ebenso die Gesundheitsindustrie. Auch hier gibt es große Global Player, die eine bedeutende Rolle einnehmen. Gleichwohl liegen abseits der wirtschaftspolitischen Bedeutung die Chancen in den prozessualen Charakteristika des jeweiligen Geschäfts: Beide Industrien bedienen ein Volumengeschäft und für beide ist der intensive Kundenkontakt entscheidend, auch wenn der Vertrieb über Dritte läuft. In Summe sind das gute Startpunkte für eine aussichtsreiche Ehe. Zudem sind die wirklichen Integrationsmöglichkeiten in diesem Text noch gar nicht zur Sprache gekommen: Warum sollen beispielsweise Adhärenz- Prozesse nicht OTA auf dem Entertainmentsystem im Fahrzeug laufen?

Notwendig sind jetzt erste automobilinduzierte Digitalpiloten in der Healthcare-Branche. Die Technologie ist da, die Expertise ist da, das Konzept ist da – ein Doppelpass gleich nach dem Anstoß, das wäre jetzt das Richtige.

Weiteres zu den drei ganz konkreten Learnings gibt es im Beitrag von meinem Kollegen Thomas Breisach und mir im Buch „Neuvermessung der Gesundheitswirtschaft“, erschienen im Springerverlag.

Es freut mich besonders, dass der Verlag den Beitrag von meinem Kollegen und mir als Leseprobe ausgewählt hat.

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