GO WEST – oder doch lieber a bissle schwäbisch! / Innovation Blog

GO WEST – oder doch lieber a bissle schwäbisch!

Bildquelle: www.ardmediathek.de

Die Tage habe ich einmal dem Hinweis von Oliver Kelkar gefolgt und habe mir in der ARD Mediathek den Beitrag „Go West“ aus der Reihe, die Story im Ersten angeschaut.

Zu den Fakten. Um was geht’s hier eigentlich? Die Story erzählt die Geschichte von mehreren Deutschen, die in Deutschland versuchten haben mit ihrer Idee ein Startup zu gründen, aber kein Wagniskapital bekamen. Anschließend sind sie ins Valley ausgewandert um dort ihr Glück zu versuchen. Einige der spannenden Gründer und deren Ideen kurz zusammengefasst:

1.Stefan Groschupf – Gründer von Datameer
Er bietet Datenanalysen aus großen Datenmengen ohne Programmierkenntnisse.
Seine Story: Eine Idee, 16 Seiten PPT, Ergebnis: zwei Wochen später 2,5 Millionen Dollar

2.Tobias Knaup und Florian Leibert – Mesosphere
Microsoft, Amazon: alle großen Cloudanbieter haben in das Startup investiert. Ihre Technologie ist sehr vielversprechend, da sie ein Betriebssystem für die Cloud entwickelt haben. Es ist klar, warum sie im Valley sind. Hier finden sie die wichtigsten Ressourcen für ihr Business: Ingenieure und Kapital. Die beiden Gründer wissen, wer die richtigen Leute haben will, muss mehr bieten als nur dicke Gehaltsschecks – die Kultur muss stimmen.

3.Margit Wennmacher – Partnerin bei Andressen&Horrorwitz
Sie ist bereit einem 22-jährigen Uniabsolventen 20 Millionen für seine Idee zu geben
Andressen&Horrorwitz unterstützen, helfen und greifen unter die Arme. Sollte dann trotzdem einmal etwas schiefgehen, dann ist das kein Beinbruch, das gehört zu deren Kultur. Klar ist aber immer eins: neun von zehn Unternehmen, die mit Wagniskaptial ausgestattet werden, scheitern. Aber die eine Idee bezahlt dann später für den Verlust der anderen neun.
Wenn der gescheiterte Gründer dann aber eine neue, vielversprechende Idee hat, dann bekommt er auch wieder neues Kapital. In 2016 wurde sie 8 Automobilbossen aus der ganzen Welt besucht. Im Laufe des Gespräches reichten die Gesichtsausdrücke von Schock, über „glaube ich nicht“, hinzu „wir wissen es besser“ und „oh my god“ – dabei ist sie sich nicht wirklich sicher inwiefern ihre Gesprächspartner überhaupt die Wichtigkeit von Software für ihre Branche erkannt haben.

Christoph Keese ist Journalist und heute bei Axel Springer, früher war er für die Welt am Sonntag und die Financial Times Deutschland tätig. „Alle großen Technologien der Digitalisierung der letzten 20 Jahre hat Deutschland schlicht verschlafen (z.B. Cloud, mobile)“, sagt er. Dabei vergleicht er Deutschland mit dem Technologiemuseum des 20. Jahrhunderts. Unser Handeln bezeichnet er als „Neophobie“, als Angst vor dem Neuen.

Erfinden allein nützt nichts. Wir haben in Deutschland viel erfunden, aber nichts daraus gemacht. Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger(*1944)


Warum nicht auf die eigenen Tugenden besinnen und mit schwäbischer Ingenieurskunst, aber auch mehr Mut – und vor allem deutlich schneller – das Risiko wagen.

Ein tolles Beispiel dafür ist das Interview von Jens Monsees, früher bei Google, heute verantwortlich für Digitalisierung bei BMW. In seinen Augen sind es vor allem digitale Geschäftsmodelle, die hardwarenah sind, die zum Erfolg führen. Wenn es im Infotainment im Fahrzeug geht, dann muss der künftige Hersteller eine standardisierte Schnittstelle bieten. Es ergibt keinen Sinn, Spotify im Auto zu ermöglichen, aber Google oder Apple Music aus dem Auto fern zu halten. Mehr Details dazu gibt's hier.
Einige weitere spannende Themen sind auch in unserem Buch zu Elektromobilität zu finden. Wir glauben, dass die OEMs künftig im Bereich IT nicht den Wettbewerb zu Apple, Google suchen sollten. Sondern sich auf Ideen in Verbindung mit Hardware konzentrieren sollten, in die diese nicht vordringen können. Beispielsweise ist es nicht sinnvoll als Premiumdienst freie Parkplätze im Fahrzeug anzuzeigen, das macht Google künftig umsonst. Google kann aber nicht über den Füllstand meines E-Autos verfügen und nahtlos mein Fahrzeug an einer Schnellladesäule aufladen.

Am Ende des Tages glaube ich, dass auch nicht alles Gold ist was glänzt, wenn man in die USA blickt. Aber der Weg dazwischen, der Mut, die Risikofreunde gepaart mit dem unglaublichen Know-how, dem Fleiß und den deutschen Tugenden muss uns doch eine Chance eröffnen, in diesem Rennen zu bestehen. Dabei ist klar: die Entscheidung, ob wir diese Herausforderung annehmen, die hat längst andere für uns getroffen. Jetzt sind wir an der Reihe das Rennen für uns zu entscheiden.

Zum ARD Beitrag geht es hier.

 

 

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Ansprechpartner

Dr. Oliver Kelkar

Associated Partner
Market Intelligence & Innovation

Tel.: +49 151 20301159
eMail: oliver.kelkar(at)mhp.com

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