Autobauen eine Commodity - kann Tesla das? / Innovation Blog

Wer die aktuelle Medienlandschaft beobachtet kann der Vielzahl an Meldungen nicht entgehen: alle „klassischen“ OEMs behaupten zukünftig Mobilitätsdienstleister sein zu wollen, elektrisch und vernetzt, von innovativ ganz zu schweigen.

Der Druck, das zu tun ist nicht unwesentlich auf die immer größer werdende Zahl von Herausforderern der OEMs zurückzuführen. So vergeht kaum ein Tag an dem neue Modelle von ambitionierten Elektromobilherstellern auftauchen, so wie dieser Tage der Nio EP9, ein chinesisches Sportwagenmodell, das mit neuem Nordschleifenrekord für EV Schlagzeilen macht.

Die Herausforderer haben schlichtweg eine andere Herangehensweise, auch gerade was das Layout und Design eines Automobils betrifft. Sie nähern sich der Produktion von der Seite der Batterietechnologie und Software und bauen damit ihren Innovationsvorsprung aus. Die „klassischen“ OEMs hingegen haben ihre Fahrzeuge über Jahrzehnte hinweg auf Basis von Verbrennungsmotoren entwickelt.

Im Hinblick auf die elektrische Mobilität sowie das autonome und vernetzte Fahren haben die „Neuen“ somit ihren Claim markiert und münzen das vorteilhafte Layout ihrer Produkte in einen Innovations- und Wettbewerbsvorsprung um.

Aber können die Hersteller von EVs aber auch in der Produktion skalieren?

Mit Sicherheit nicht umgehend – seit Henry Ford und der Innovation der Fließbandfertigung hatte die Automobilindustrie über 100 Jahre Zeit den Prozess der Fertigung zu verstehen und zu verfeinern und hat hier mit Sicherheit einen der elaboriertesten Fertigungsprozesse überhaupt.

EV-Hersteller stecken da noch in den Kinderschuhen, produzieren ihre Serien in kleinen Stückzahlen und bei Apple und Google bleibt gänzlich offen, ob sie in die Produktion und Massenfertigung von EVs überhaupt einsteigen.

Tesla, der EV-Hersteller, der mit Sicherheit am Weitesten ist, beantwortete die Frage in den vergangenen Wochen nicht nur mit dem Kauf von Grohmann Engineering und damit deutscher Ingenieurskunst, die Know-How in der Produktion verspricht. Auch der erfahrene ehemalige Audi Manager Hochholdinger ist zukünftig im Team Musk. Aber reicht das aus, um die Produktion in zwei bis drei Jahren von 50.000 Einheiten auf rund knapp eine Million zu ziehen?

Hier hat sich für mich der Blick in das Herausgeberbuch ‚Elektromobilität‘ gelohnt. Unter anderem befasst sich der Kollege Kehle mit genau diesem Thema. Der Fokus der Vorreiter wie Tesla scheint nun Richtung Massenproduktion zu gehen und genau das ist der Zeitpunkt zu dem gerade die „klassischen“ OEMs die Chance ergreifen müssen, die Themen Innovation und Elektromobilität voranzutreiben. Die Strategie „Abwarten“ ist hier fehl am Platz. Denn gerade im Hinblick auf die globale Konkurrenzsituation müssen lange Vorlaufzeiten zum Aufbau von Know-how und zur Entwicklung neuer Lösungen bedacht und einkalkuliert werden.

Die Zeit der Ankündigungen muss zu Ende gehen. Nur mit dem „Tun“ entdeckt man neue Möglichkeiten.

Bildquelle: Michael Macor, The Chronicle

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