Hardware schlägt Software!? / Innovation Blog

7 Thesen, warum Software Hardware überlegen ist.


Noch nicht überzeugt? Ich habe 7 Thesen, warum Software Hardware überlegen ist.
Das sind sicher nicht alle, über eine Ergänzung per Kommentar würde ich mich daher freuen und auch Kritik ist hier mehr als willkommen.

1.Software bestimmt das Produkterlebnis

Software ist das wettbewerbsentscheidende Merkmal eines Produkts. Wie das? Denken wir nur mal an das iPhone von Apple, die Kollegen um Steve Jobs haben weder den Touchscreen, noch den UMTS-Standard erfunden, führen aber jedes Jahr aufs neue die gesamten Komponenten elegant zusammen und erschaffen ein absolut neues Produkterlebnis. Auch in unseren Badezimmern ist Software längst angekommen: Zahnbürsten, die durch eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone ein neues Erlebnis und damit einen völlig neuen Lifestyle schaffen.
Neben diesen Paradebeispielen, macht Software auch vor den klassisch hardwarezentrierten Branchen wie der Automobilindustrie nicht halt. Hier heißt es inzwischen zunehmend „Softwaredesign vor hardwaretechnischer Ingenieurskunst“. Die Innenraumbeleuchtung des Fahrzeugs kann beispielsweise durch den Nutzer ganz nach seinen eigenen Vorlieben personalisiert und angepasst werden.

 

Zahnbürsten, die per App auf dem Smartphone die verbleibende Zahnputzdauer anzeigen

2.Software ist schneller als Hardware

Da Scottys Beam leider immer noch Fiktion ist, punktet Software auch in der Schnelligkeit und das sowohl in der Entwicklungsgeschwindigkeit als auch in der Verteilung auf den Märkten. Auch hier wieder das Beispiel Smartphone: Wir besitzen ein Gerät meist über einen längeren Zeitraum und können uns derweil über mehrfache Aktualisierungen des Betriebssystems freuen. Zwar sieht die Hardware an sich gleich aus, aber kein Smartphone gleicht dem anderen: Wir laden Apps, konfigurieren nach unseren eigenen Wünschen und erschaffen so den Funktionsumfang, den wir persönlich haben möchten.
Die schnelle Realisierung von Software ist durch Wiederverwendung, Modularisierung und dank globalen Entwicklungszentren möglich. Letztlich verteilt und ausgeliefert wird sie in Höchstgeschwindigkeit, kabelgebunden oder via mobilem Internet, an Millionen von Anwender.

3.Software skaliert einfacher

Wie beeindruckend hantierte 1999 doch Keanu Reeves in Matrix mit dem 8110 von Nokia. Damals noch mit Stummelantenne, ausziehbarer Klappe zum Schutz der Tastatur: Jede Zahl einzeln abgebildet mit jeweils drei Buchstaben, um Textnachrichten schreiben zu können. Und was ist heute davon noch übrig? Über die Jahre hinweg verschwindet die Tastatur fast völlig, der Bildschirm wird dominanter und was wir heute auf den meisten Smartphones noch finden, ist ein einziger Home Button, der verschiedene Funktionen vereint. Wie ist das möglich? Nur durch Software, denn Software skaliert einfacher.

Quelle: www.retrophones.com

Das einst revolutionäre Handy von Keanu Reeves in Matrix

4.Wertschöpfung durch Software

Durch und mit Software. Uber, Facebook und Airbnb wären ohne Software und Vernetzung als Geschäftsmodelle gar nicht denkbar. Erst Software macht es möglich, dass diese Dienste angeboten werden können und auch Software ist es, die den Markeintritt nahezu barrierefrei werden lässt. Der Begriff Industrie 4.0 beschreibt das Zusammentreffen von beispielsweise der Automotive Branche mit der IT- und Telekommunikationsindustrie. Das Ergebnis ist dann das Connected-Car: Aber wenn das Auto der Zukunft ganz autonom fährt, was machen wir dann mit dieser ganzen zusätzlichen Zeit? Spinnen wir diesen Gedanken weiter, ergeben sich viele weitere Chancen für unterschiedlichste Industrien.

5.Datenhoheit = Produkthoheit

BigData ist fast schon ein alter Hut. Dass Software in Produkten eine immense Menge an Daten liefert und damit Aufschluss über Nutzer und dessen Verhalten gibt, ist altbekannt. Intelligente Algorithmen erlauben ein Profiling als Blick in den Rückspiegel, um dann maßgeschneiderte Angebote und Werbung zu erstellen. Heute machen es künstliche Intelligenz und Datenanreicherung möglich, bereits Zukunftsprognosen abzugeben. Der Elektroauto Hersteller Tesla ist in der Produktentwicklung durch Datennutzung Vorreiter: jeden Tag kann der Autopilot durch die gewonnenen Daten aus der Nutzung verbessert werden. Fest steht: „Wer die Datenhoheit hat, hat die Produkthoheit – und damit den Customer Touchpoint.“

Welche Straßen sind gerade frei und welches Gebiet umfahre ich wohl besser?

6.Software wiegt nichts

Schon mal Software in der Hand gehabt? Vermutlich nicht. Das liegt wohl unter anderem auch daran, dass Software kein physisches Gewicht hat. Gerade beim Stichwort Mobilität der Zukunft kann das bei Emissionsmenge und Reichweite von Vorteil sein. Was Software hier leisten kann ist immens, wenn wir bedenken, dass das Fahrprofil der Topologie angepasst werden kann und somit der Treibstoffverbrauch und die Emissionsmenge um 20 Prozent gesenkt werden kann. Heute schon Realität ist Software in LKW, die dem Fahrer Empfehlungen zu Beschleunigung und Verzögerung geben. Ökologisch sinnvoll, aber auch ökonomisch attraktiv, wie ich finde.

 

Eine uralte 7500g schwere Rechenmaschine, die noch per Hand betrieben wurde. Dagegen ist der klassische Taschenrechner federleicht.
 

7.Software substituiert Denkleistung

Bislang war das Ziel der Automatisierung in klassischen Industrien die Substitution von Muskelkraft. Die zukünftige Digitalisierung hat hingegen die Substitution von Denkleistung im Blick. Genau deshalb baut Google keine Autos, sondern ein – oder vielleicht sogar das – Betriebssystem für Fahrzeuge. Dieses lernt aus Daten und wird möglicherweise das überlegene System für autonome Fahrzeuge. Und Tesla entwickelt ein Betriebssystem für Elektromobilität. Sind die Systeme erfolgreich und verbreitet, dann ist ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung verteilt.
Wir sind gefordert, sowohl für die Produktion als auch in den intelligenten Produkten selbst unser Software-Know-how zu stärken, um auch weiterhin an dem Wertschöpfungsnetzwerk zu partizipieren. Die Hardware alleine ist dafür ungeeignet, denn Software schlägt Hardware.


Ein ausführlicher Beitrag unter dem gleichen Titel, in welchem ich weitere Beispiele und Aspekte aufgegriffen habe, ist im Magazin für Zukunfsmonitoring 'AUTO 4.0' im November 2016 bei swissfuture erschienen.

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