Wenn Industrie 4.0 Wirklichkeit wird! / Innovation Blog

Die vierte industrielle Revolution kann für viele Prozesse und Innovationen eine perfekte Grundlage sein. Dazu muss man aber alle möglichen Trends betrachten, analysieren und Schnittstellen identifizieren. Bei MHP versuchen wir dieser Konstellation mit Hilfe von Ideen und Innovationsprozessen Rechnung zu tragen und haben hierzu einmal unsere Vorstellungen der Zukunft skizziert.

Versetzten wir uns einmal in die Lage eines 23 jährigen Jungen im Jahre 2024. Viele werden denken, 10 Jahren passiert noch so viel, darüber mache ich mir heute noch keine Gedanken. Das ist sicherlich ein großer Fehler. Denkt man einfach einmal 10 Jahre zurück und führt sich vor Augen was beispielsweise in diesem Jahr alles passiert ist: Jürgen Klinsmann wird Bundestrainer, Georg W. Bush wird trotz Krieg im Irak wiedergewählt… So sind die Ereignisse der Vergangenheit doch deutlich näher, als die der Zukunft. Jedoch macht es gerechnet an Jahrestagen bekanntlicherweise keinen Unterschied ob wir vor oder zurück rechnen.

Zurück zu unserem jungen Mann, der soben sein Studium abgeschlossen und den ersten Arbeitsvertrag in der Tasche hat. Er möchte sich ein Auto kaufen. Dabei interessiert er sich brennend für den neuen Golf, der erst vor einem Monat auf den Markt gekommen ist. Auf seinem iPad surft er nun online durch den Fahrzeugkonfigurator und stellt sich virtuell sein neues Elektrofahrzeug zusammen. Am Ende des Prozesses kann er sich mittels seiner Augmented Reality Brille drahtlos das Fahrzeug, live in jeder gewünschten Umgebung ansehen und auch direkt in seine Lieblingsspiele in seiner Spielekonsole integrieren.

Seine Entscheidung steht fest. Er muss das Auto besitzen. Viele seiner Freunde sind zwar mittlerweile auf Car-Sharing Modelle und zeitweise Mietmodelle umgestiegen, aber er gehört noch zu denen, die ein Fahrzeug selbst besitzen möchten. Vor kurzem hat er gelesen, dass der Golf in 72 Stunden bei Volkswagen produziert wird. Bedeutet also, wenn er heute bestellt sollte das Auto in ca. 5 Tagen bei ihm sein.

Zurück in unsere Zeit, wie sieht aktuell ein solcher Prozess aus? Anschauen und konfigurieren auf dem iPad ist kein Problem. Die tatsächliche Bestellung wird aber nach wie vor in den meisten Fällen nicht online getätigt, sondern vor Ort im Autohaus beim Händler. An dieser Stelle soll angemerkt werden, dass diese Zahlen klar Rückläufig sind und viele OEMs auf Direktvertrieb via Internet setzen.

Wenn wir uns dann überlegen, dass nach erfolgreicher Konfiguration meine Lieferzeiten für den besagten Golf bei 9 Monaten liegen, so muss man als Außenstehender schon fragen, warum dies der Fall ist. Unser genannter Käufer würde vermutlich den Kauf nicht tätigen, sofern er in 10 Jahren mit einer solchen Aussage konfrontiert würde.

Was ist also zu tun? Wir müssen uns heute schon mit zahlreichen künftigen Anforderungen auseinandersetzten, um im Wettbewerb um jegliche Käuferschichten bestehen zu können. Mittels Predictive Analytics wird es nötig sein, im Vorfeld schon zu berechnen, welche Modelle und Ausstattungsvarianten am häufigsten nachgefragt sind und werden. Ich muss schon frühzeitig meinem Zulieferer Lieferabrufe schicken und Teile bestellen, ohne dass der Kauf eines Fahrzeuges tatsächlich getätigt wurde. Nur so kann ich dann auch tatsächlich mein Fahrzeug innerhalb kürzester Zeit beim Kunden ausliefern.

Dies ist aber nur ein kleiner Teil zukünftiger Liefernetzwerke. Die Supply Chain der Zukunft ist CO2 begrenzt. Dies bedeutet, dass ein Konzern CO2-Kontingente erwerben muss, mit denen er seine Fahrzeuge produziert. Dies bedeutet, dass er zum einen seine Produktion so energieeffizient als möglich gestaltet, aber auch Werkstoffe verwendet, die vollständig recyclebar sind. Ein echter Product Carbon Footprint wird Realität. Dabei ist es ebenso wichtig, an welchem Ort ein Fahrzeug produziert wird, als auch woher die Zuliefererteile stammen. Denn je weiter mein Transportweg oder der Weg zum Endkunden ist, desto höher sind meine CO2-Ausstöße entlang der Lieferkette, die meinen PCF erhöhen. Es sind dann Modelle denkbar, dass bereits im Vorfeld einer Bestellung – denn wir wissen ja, dass sie kommen wird – sich Rohstoffe im Lager automatisch melden. Nimm mich! Aufgrund von Lagerzeiten, Materialzustand und Weg zur Produktion bin ich aktuell das optimalste Teil (s. hierzu eBook 'CO2 als Wettbewerbsfaktor im automobilen Wertschöpfungsnetzwerk').

Vollautomatisiert wird es dann via Roboter oder Drohne an der Maschine angeliefert. Aufgrund seiner lokal gespeicherten Daten im Werkstoff selbst, gibt das Material Anweisungen an die Maschine, welche Bearbeitungsschritte es benötigt. Hier sind künftig an ein und derselben Maschine Arbeitsschritte möglich, die beispielsweise via 3D-Druck Material auftragen (auch völlig unterschiedliche Materialarten werden miteinander verbunden) und dieses dann ebenso fräsen oder spanen, zum fertigen Einzelteil. Die Kommunikation erfolgt vollautomatisch. Im Anschluss an diesen Prozessschritt, sucht sich das Werkstück die nächste freie Maschine, die Arbeitsschritt zwei ausführen kann. Dabei koordinieren sich die Werkstücke durch drahtlose selbst untereinander. Am Ende der gesamten Produktionskette rollt unser fertiger Golf vom Band.

Hinzufügen an dieser Stelle ist, dass der Strom selbstverständlich zu 100% aus regenerativ erzeugten Quellen stammt. Der eigenen Photovoltaikanalage am Standort, eigenen Windkrafträdern und BHKWs. Strom wird aber in einem deutlich geringeren Maße benötigt als noch vor 10 Jahren. Durch Lean-Management, gepaart mit Ressourcenvermeidung in der Produktion, aber auch eigene Speicherlösungen kann eine nahezu autarke Energieversorgung gewährleistet werden. Auch ein wichtiger Wettbewerbsfaktor bei volatilen Märkten um sich vor Produktionsausfall zu schützen.

Und wissen sie wo das geschieht? Eine heute noch undenkbare Sache, aber die Bestellung stammt aus Esslingen am Neckar. Der Golf wird aber in Wolfsburg produziert, was im Umkehrschluss eine relativ lange Transportstrecke zum Kunden und einen gesteigerten CO2-Fußabdruck bedeuten würde. Also plant sich das Fahrzeug nicht auf der Produktionsstraße in Niedersachsen ein, sondern in Zuffenhausen. Einem Werk, welches aufgrund der Konzernzugehörigkeit von Porsche zu VW auch eigene Produktionsmöglichkeiten bietet. Somit werden Örtlichkeiten, Ressourcen und Energie optimal eingesetzt und genutzt.

Bei all diesen Überlegungen, wird aber auch die Ressource „Mensch“ eine gewichtige Rolle spielen. Vermutlich sogar eine noch wichtigere als heute. Zwar wird unsere Produktion deutlich automatisierter Ablaufen, aber auch eine Individualisierung von Produkten mit einem Siegel „handmade“ oder ähnlichem wird ein wichtiges Differenzierungsmerkmal künftig sein. Um am Ende des Tages wird jedes IT-System oder jede Maschine, so clever sie auch sein mag, keine strategischen Entscheidungen treffen können. Wir benötigen den Menschen, den Arbeiter, den IT-Spezialisten und den Ingenieur. Nur er kann den gesamten Prozess zum Leben erwecken und am Leben erhalten. Jedoch müssen wir uns trotz alledem heute auch darüber schon Gedanken machen. Fachkräfte sind rar und bei Beobachtung der demografischen Entwicklung wird sich diese Situtation nicht rasch verbessern sondern sogar deutlich verschlechtern. Firmen, die sich heute schon Gedanken darüber machen, Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurück zu holen, müssen auch darüber nachdenken, welche Aufgaben diese eigentlich zu Hause hätten übernehmen müssen. Über kurz oder lang wird es dann neben einem Betriebskindergarten auch eine betriebliche Alterspflege geben müssen, da die „Renter“ diese Aufgabe zu Hause nicht mehr übernehmen können.

Zusätzlich müssen die Unternehmen für ihre Mitarbeiter aber auch ein nahezu perfektes Gesamtpaket bieten. Ansosnten haben sie im „War for Talents“ künftig keine Chance mehr. Denn der Bewerber von morgen wird sich nicht mehr bewerben, um ihn wird gekämpft und Unternehmen, Headhunter etc. werden sich noch viel mehr darum kümmern müssen die geeigneten Fachkräfte zu finden.

Ein Eintritt ins Rentenalter wie heute mit 63 oder 65 Jahren ist aus verschiedenen Gründen dann nicht mehr lukrativ. Zum einen werden diese Spezialisten von den Unternehmen gesucht und teuer bezahlt, zum anderen werden dann bei Lebenserwartungen, die weit über 100 Jahren liegen auch Rentenbezüge für diese Person nicht mehr ausreichen um knapp 40 Jahre nicht mehr zu arbeiten.

Alles ferne Zukunftsmusik? Teilweise richtig, aber sprechen sie doch heute schon einmal mit unseren Spezialisten. Wir zeigen ihnen welche Schritte bereits machbar sind, auf dem Weg zu Industrie 4.0. Denn eines ist klar, die vierte industrielle Revolution ereignet sich auch in kleinen Schritten von der Industrie 3.1, 3.2, 3.2 … bis zu 4.0. Aber die Grundlagen und strategischen Entscheidungen müssen heute schon getroffen werden. Wir sprechen mit Ihnen darüber, wie sich künftige Megatrends wie Big Data, Connected Car und Sustainable Mobility mit Industrie 4.0 und Real-time Business verknüpfen lassen.

Ansprechpartner: Dr. Oliver Kelkar & Fabian Kehle

2 Kommentare

Super informativ und komplex. Hervorragende Ausrichtung auf den Zukunftsaspekt. Sehr anschaulich beschrieben.

Sehr interessanter Artikel!

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

mehr Einträge

Ansprechpartner

Dr. Oliver Kelkar

Associated Partner
Market Intelligence & Innovation

Tel.: +49 151 20301159
eMail: oliver.kelkar(at)mhp.com

RSS Feed

Hier können Sie das MHP Innovation Blog abonnieren.