Interview: Fabian Kehle für Bilanz zu Förderung E-Mobility / Innovation Blog

Was halten Sie vom Vorschlag einer Kaufprämie für E-Mobile?

Zunächst: Aus meiner Sicht und auch aus Sicht von MHP ist es unstrittig, dass wir deutlich mehr E-Fahrzeuge auf unseren Straßen brauchen. Gründe dafür gibt es viele – ökologische und ökonomische. Und eine staatliche Förderung ist mit Sicherheit der einzige Weg, um den Verkauf von Elektroautos in absehbarer Zeit spürbar anzukurbeln. Aber: Eine Kaufprämie, wie sie kürzlich von Sigmar Gabriel vorgeschlagen wurde, halten wir explizit nicht für den bestmöglichen Weg. Natürlich, eine finanzielle Entlastung von 5.000 Euro könnte bei einigen Autokäufern ein E-Modell zu einer realistischen und attraktiven Alternative machen, wenn sie über einen Neuwagen nachdenken – auch wenn das gleiche Modell mit herkömmlichem Motor trotz Prämie immer noch günstiger wäre. Damit würden aber grundsätzliche Probleme nicht gelöst werden.

Was kann, was muss der Gesetzgeber tun, um E-Mobilität wirksam zu fördern?

Die Entwicklung der Elektromobilität wird nach wie vor am stärksten von der Speichertechnologie limitiert – sie sorgt für die hohen Preise, begrenzt die Reichweite und stellt zudem hohe Anforderungen an die Ladeinfrastruktur. Eine sinnvolle staatliche Förderung sollte daher an der Speichertechnologie ansetzen – sowohl an den mobilen Batterien, die in den Fahrzeugen verbaut werden, als auch an den immobilen Aggregaten, in denen private und gewerbliche Nutzer ihren dezentral und aus regenerativen Quellen erzeugten Strom speichern können. In Kombination würde das zu Skaleneffekten führen und die Kaufpreise sowie die Betriebskosten würden sukzessive sinken.

Warum – und wann – wird sich Elektromobilität trotz aller Startschwierigkeiten aus Ihrer Sicht durchsetzen?

Einen konkreten Zeitpunkt anzugeben, wäre ziemlich unseriös. Das lässt sich momentan wirklich nicht fundiert prognostizieren. Es kann aber sehr schnell gehen, wenn in einem Markt erst einmal eine kritische Masse erreicht ist. Denn dann würden die Preise für E-Fahrzeuge erheblich fallen. Gleichzeitig würde es sich lohnen, flächendeckend eine Ladeinfrastruktur aufzubauen. Und beides würde die E-Mobilität für weitere Fahrer interessant machen. Eine Aufwärtsspirale käme in Gang. In diesem Zusammenhang lohnt ein Blick nach China. Dort herrscht in vielen Städten eine enorme Luftverschmutzung. Gesetzte sollen das eindämmen, indem zum Beispiel Autos mit Verbrennungsmotoren in bestimmten Gebieten verboten werden. E-Mobilität ist dann die einzige Alternative. Das beantwortet zum Teil die Frage nach dem Warum: Elektromobilität hilft uns dabei, die Umwelt und das Klima zu schützen – auch sehr lokal und unmittelbar. Der zweite Grund: Fossile Brennstoffe sind endlich. Und noch lange bevor die Ressourcen vollständig erschöpft sind, werden die Preise massiv steigen. Dass Öl derzeit so günstig ist, ist aus meiner Sicht nur eine Momentaufnahme und hat nicht zuletzt politische Ursachen.

Überwiegen die Chancen oder die Risiken für den Verbrennungsmotor-Weltmeister Deutschland bei der Elektrifizierung des Autos?

E-Autos sind deutlich leichter zu bauen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Das macht den Markteintritt von neuen Playern sehr wahrscheinlich. Tesla hat es vorgemacht. Bei Google und Apple wartet im Grunde jeder darauf, dass diese Unternehmen ernstzunehmende Vorstöße wagen. Insofern müssen sich die deutschen Automobilhersteller schon vorsehen und dürfen sich nicht zu sehr auf ihren Meriten ausruhen. Konkret bedeutet das: Sie sollten den Autokäufern schon jetzt eine Reihe von E-Modellen anbieten. Da passiert bislang recht wenig. Und wenn der Verbrennungsmotor als Differenzierungsmerkmal wegfällt, gilt es, sich auf die anderen Stärken zu konzentrieren. Die Ingenieure haben auch abseits des Motors hervorragende Ideen – um Autos sicherer und komfortabler zu machen. Die Hersteller haben die Infrastruktur und das Know-how, um rasch eine Massenproduktion aufzubauen. Und sie haben über die Händler einen sehr engen Kontakt zu ihren Kunden. Neue Player müssen diesen Vorsprung erstmal einholen. Insgesamt sehe ich mehr Chancen als Risiken.

Brauchen wir eine eigene Fertigung von Batteriezellen in Deutschland, um im Wettbewerb bestehen zu können?

Wenn Deutschland nicht nur Leitmarkt, sondern auch Leitanbieter werden möchte – und so stellt sich die Bundesregierung ja vor –, sollten auch die Batteriezellen in Deutschland gefertigt werden. Das gilt umso mehr, weil die Batterie das Herzstück der neuen Autos ist.

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